Instagram steht Kopf: Wie die „Stories“ das Portal und seine User komplett verändern.

Mit der Funktion „Stories“ revolutioniert sich Instagram gerade selbst: Mit einer Story kann man seinen Tag revue passieren lassen – bis sie nach 24 Stunden automatisch gelöscht wird.

Hashtags zum Beispiel. Es gibt da einen Chat-Dienst namens Internet Relay Chat (IRC). IRC hat seine Ursprünge in den 80er Jahren und bezeichnet seine Kanäle seit jeher mit einem Doppelkreuz (hash – #). Dieser alte Brauch blieb lange der breiten Masse unbekannt. Doch dann hat Twitter diese Idee übernommen: Seit 2007 gibt es Hashtags auf Twitter und eben seit dieser Zeit ist Twitter zu neuen Sphären aufgestiegen; IRC kennen nur die wenigsten.

Snapchat kennen schon wesentlich mehr Leute. Auch wenn der Dienst erst 2011 eingeführt wurde, wird er heute weltweit genutzt – aktuell werden satte 10 Milliarden Videos pro Tag über die Seite angeschaut. Die zentrale Idee hinter Snapchat: Bilder und Videos auf den Kanälen sind vergänglich und werden bald wieder automatisch gelöscht. Facebook hat diesen Trend versucht zu übernehmen – vergeblich.

Doch dann war da noch diese neue Funktion: Stories. Erfolgreich, aber wirklich bahnbrechend?

Ja! Denn seitdem auf Facebooks Tochter Instagram ebendieses Feature eingeführt wurde, rappelt es im Internet. Auch wenn manche User lamentieren: Kopie! Schlechter als das Original! – der Dienst Instagram steht Kopf.

In seiner eigenen Präsentation (http://blog.instagram.com/post/148348940287/160802-stories) zeigen die Macher, was dahinter steckt: Alles, was man an einem Tag erlebt, was man sieht, kann man als Slideshow hintereinander packen. Filter, Emoticons und Sprechblasen machen daraus dann entweder einen Comic oder aber eine nützliche Infosammlung – beispielsweise beim Einkaufen. Und wie bei Snapchat löscht sich alles nach 24 Stunden von selbst.

Instagram bekommt ein neues Aussehen

Das alles verändert die Seite grundlegend. Denn bisher war für Instagram ja gerade das arrangierte Bild typisch. Mit dem Smartphone ein fetziges Selfie schießen, Sepiafilter drüber, ein bunter Strauß Hashtags drunter und ab auf die Seite. Egal ob Mode, Luxusartikel, Essen, Strände – das war Instagram bisher. Auch wenn all das nicht angerührt wird: die Funktion „Stories“ ist quasi genau das Gegenteil – oder wie Instagram selbst schreibt: das Tool für die Zeit zwischen den Posts.

Doch „Stories“ ist mehr: Der User bekommt neben der Timeline die neuesten „Stories“ präsentiert. Größer könnte der Kontrast kaum sein! Statt Hochglanz gibt es nun Authentizität gepaart mit Emojis, Alltag und ungepuderter Haut. Was auf Snapchatter wie ein billiger Abklatsch wirkt, ist für Instagrammer eine neue Welt. Denn gerade die Leute, die bisher für Perfektion bekannt waren, müssen nun den Spagat wagen und mehr „real life“ zulassen – oder sich des Trends verweigern.

Ob die Stories sich langfristig behaupten, wird sich noch zeigen. Interessant wird auch sein, wie Unternehmen auf die neue Funktion reagieren: Werden die Stories zur Basis für eine Art Blitzmarketing? In jedem Fall hat sich Instagram gerade ein Stück weit neu erfunden – und den Usern eine tolle neue Bühne verschafft.